Wie Corona das Online-Dating verändert hat

Quarantänen und Lockdowns zwingen uns, neu zu lernen, wie man sich verabredet.

Als die Schließungen kamen, kursierte ein Google-Formular unter den Studenten der University of Pennsylvania: „Liebe ist blind, Bschool Edition“. Der Name wurde von der erfolgreichen Netflix-Serie inspiriert. In der Paare in isolierten Kapseln miteinander reden und sich anschließend verloben, ohne sich zu sehen.

Die Regeln sind einfach:

  • Geben Sie eine gefälschte E-Mail-Adresse an
  • teilen Sie den Machern mit, welche Universität Sie besuchen,
  • welche sexuelle Orientierung
  • und welches Geschlecht Sie haben.

Die Erfinder wählen diese Informationen nach dem Zufallsprinzip aus und stellen ein Paar zusammen, das sich über die gefälschte Adresse per E-Mail kennenlernt. Nach einer Woche sind dann SMS oder Videos erlaubt.

Willkommen bei Dating und Sex während der Coronavirus-Pandemie.

Dating-Apps haben es schwer, schließlich geht es bei der Partnersuche darum, jemanden physisch zu treffen. Match – das Unternehmen, das hinter den Online-Dating Riesen Tinder und OkCupid steht – musste einen Kurssturz von 25 % hinnehmen und musste die öffentliche Gesundheit mit den Unternehmenszielen in Einklang bringen.

Tinder führte daraufhin eine Funktion ein, die es den Nutzern ermöglicht, sich auch mit Menschen außerhalb ihres unmittelbaren geografischen Umfelds zu „matchen“.

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Aber was bedeutet virtuelles Dating?

Eine Möglichkeit ist die Neuerfindung des Speed-Datings. Die App „Coffee Meets Bagel“ zum Beispiel hat damit begonnen, virtuelle Treffen für jeweils 10 bis 15 Mitglieder zu veranstalten. Die treffen bestehen aus einem moderierten Videoanruf des Betreibers. Ein Teilnehmer, der sich für einen anderen interessiert, kann anschließend eine E-Mail an den Betreiber schicken. Wenn zwischen zwei Personen ein Funke überspringt, werden sie zusammen gebracht.

Das Coronavirus stellt auch die Grundregeln der Partnersuche im digitalen Zeitalter auf den Kopf. Vorher war es in Ordnung, jemandem eine Whatsapp zu schreiben, um ein Date zu vereinbaren. Aber vor einer Verabredung einen Video-Chat zu führen, war eher nicht dir Regel.

Jetzt nicht mehr. Ende Februar gehörte JWed, eine jüdische Dating-App, zu den ersten Anwendern des In-App-Videochats. Bumble hat seine Videochat- und Sprachfunktionen ebenfalls orangetrieben. Sie ermöglicht es den Nutzern, sich mit einem Date zu unterhalten, ohne gegen die Vorschriften für den Schutz vor Ort zu verstoßen.

Die Videoanrufe dienen als das, was einige Singles als „Vibe-Check“ bezeichnen. Sie ermöglichen es ihnen, die Chemie in einem Kontext jenseits von Textfetzen zu beurteilen. Es wird vermutet, dass diese Vibe-Checks noch lange nach Covid-19 die Norm sein werden. Die Menschen versuchen immer mehr, die Fotos mit ihren Filtern gegen ein realistischeres Bild einer Person einzutauschen.

„Ich kann mich jetzt per Video zum ersten Mal treffen und eine emotionale Verbindung zu einem Mann aufbauen, die über das Physische hinausgeht“, sagt eine Userin.

Der Sturm auf Dating-Apps

Auf das Einbrechen der User-Zahlen zum Anfang der Pandemie folgte allerdings ein regelrechter Sturm auf die Apps. Auch, weil sich die Plattformen, wie beschrieben, der Situation angepasst haben.

Einem Bericht von Tinder zufolge brachte das Jahr 2020 und 2021 eine noch nie dagewesene Anzahl von Nutzern für Dating-Apps. Tinder brauch sorgen seinen Rekord für die meisten Aktivitäten an einem einzigen Tag mit mehr als 3 Milliarden Swipes. OkCupid verzeichnete in den USA einen Anstieg der Verabredungen um 700 %, und bei Bumble nahmen die Videoanrufe um 70 % zu.

Was ist für dieses große Wachstum in der Branche verantwortlich?

Die offensichtliche Antwort ist die Pandemie. Da Partys und Gruppenausflüge während der Zeit, in der man zu Hause bleibt vom Tisch sind, waren Dating-Apps wie die oben genannten eine der wenigen Möglichkeiten, Interaktion außerhalb des eigenen Haushalts zu finden. Darüber hinaus nahm nicht nur die gelegentliche Nutzung zu, sondern die Gespräche innerhalb dieser Apps waren während der Pandemie 32 % länger. Was darauf hindeutet, dass die Nutzer wichtige Kontakte knüpfen.

Wird die Nutzung nach der Pandemie wieder zurückgehen?

Wird die Nutzung nun, da die Beschränkungen vielerorts gelockert wurden und immer mehr Menschen geimpft sind, wieder zurückgehen? Bislang halten Experten dies für unwahrscheinlich. Den Nutzern sind die Augen geöffnet worden, wie bequem Online-Dating ist. Sie haben den Wert der Möglichkeit erkannt, die Interessen einer Person zu überprüfen und ein virtuelles Gespräch zu beginnen, bevor sie sich persönlich treffen.

Die allgegenwärtige Nutzung während der Pandemie hat auch das Stigma, sich bei diesen Apps anzumelden, verringert. Aus diesem Grund war Online-Dating noch nie so attraktiv wie heute. Viele, die sich früher nicht getraut hätten sie zu nutzen, hatten während des Lockdowns keine andere Wahl. Und jetzt, da sie die Vorteile erkannt haben, wollen die meisten in nächster Zeit nicht damit aufhören.

Neue Trends im Online-Dating

Die mehr als ein Jahr andauernde Pandemie hat unsere bestehenden Beziehungen und die Art und Weise, wie wir neue Kontakte knüpfen, verändert. Internet-Dating Apps und -Websites wurden nicht nur immer beliebter. Sie mussten sich auch an die neuen Möglichkeiten anpassen, mit denen die Nutzer in Kontakt treten wollen.

Virtuelle Verabredungen

Vor der Pandemie war der typische Ablauf für Dating-Apps folgender:

  1. Kontaktaufnahme,
  2. Chatten und dann
  3. Treffen in der realen Welt.

Das Ziel war eigentlich immer ein persönlichen Treffen.

Dies war während COVID allerdings nicht mehr der Fall. Stattdessen entschieden sich viele Nutzer im dafür, sich zunächst per Video zu treffen, um die zu schauen ob die Chemie stimmt. Bevor sie das sehr reale Risiko eines persönlichen Treffens eingehen.

So führte beispielsweise die Hälfte der Tinder-Nutzer aus der Generation Z vor dem Treffen einen Videochat. Ein Drittel nutzte verstärkt gemeinsame virtuelle Aktivitäten. Der Videochat ist zu einem neuen, üblichen Schritt im Online-Dating Prozess geworden. Und viele der Unternehmen, die Dating-Apps anbieten, haben das zur Kenntnis genommen und diese Funktion auf ihren Websites verbessert oder hinzugefügt.

Mit zunehmender Dauer der Pandemie wurden die Nutzer immer kreativer. Über einen einfachen Video-Chat hinaus begannen sie, mehrere Apps miteinander zu verbinden. Anstatt sich persönlich zu verabreden, könnte sich ein Paar zum Beispiel über Tinder treffen. Dann im Online-Universum von Animal Crossing abhängen und anschließend über Zoom ein zusammen essen. Oder in einer WatchParty zusammen einen Film schauen.

Auch wenn diese Art der Verabredung aus der Not heraus entstanden ist, deuten die Zahlen darauf hin, dass es so bleiben könnte. Laut einer aktuellen Tinder-Umfrage sehen diejenigen, die einen Videochat oder eine virtuelle Verabredung hatten, es als eine Möglichkeit, jemanden mit wenig Druck kennenzulernen. Tatsächlich geben 40 % der Tinder-Mitglieder der Gen Z an, dass sie auch weiterhin digitale Verabredungen haben werden. Selbst wenn alles wieder öffnet.

Freunde finden

Da das Gefühl der Isolation während der Pandemie so weit verbreitet war, begannen viele Nutzer von Dating-Apps, sich an dieselben Websites und Apps zu wenden, nicht nur um Partner/innen zu finden, sondern auch um andere Arten von sozialen Kontakten zu suchen. Die Zahl der Menschen, die nur nach Freundschaften suchten, nahm vor allem unter den männlichen Nutzern zu. Einige Internet-Dating Unternehmen erkannten dieses Wachstumspotenzial und passten ihre App an.

Bumble beispielsweise hat auf seiner Plattform eine Funktion namens BFF eingeführt, die es den Nutzern ermöglicht, nicht-romantische Freundschaften zu schließen und zu pflegen. Natürlich gibt es spezielle Apps für die Suche nach Freunden (z. B. Meetup, Amigo usw.). Aber alles in einer App, von der Freundschaft über offene Beziehungen, bis hin zu Lebenspartnern ist natürlich für viele sehr praktisch.

Fazit

Angesichts der Isolation im Pandemie-Leben ist es nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Menschen nach einer echten Verbindung sehnen. Jetzt, da die Geschäfte und öffentlichen Einrichtungen größtenteils wieder geöffnet sind und die Impfraten steigen, besteht die Möglichkeit, diese Beziehungen wieder persönlich aufzubauen. 

Die meisten Experten sind jedoch der Meinung, dass dies dem jüngsten Wachstum der Online-Dating Apps keinen Abbruch tun wird. Im Gegenteil, die meisten, die diese Plattformen während der Pandemie genutzt haben, haben den Wert und die Bequemlichkeit erkannt, die sie bieten. Da die Apps ständig neue Funktionen bieten und täglich neue Kontakte ermöglichen, scheint es keinen Grund zu geben, sie jetzt nicht mehr zu nutzen.

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